Menschlichkeit
2. Juli 2020

Was ist Menschlichkeit?

Von Susanne

Was ist Menschlichkeit?

Ich stehe hier ein für Frieden, Menschlichkeit und Demokratie.
Was ist das eigentlich: Frieden und Menschlichkeit?
Es hört sich erst mal nach ganz unverfänglichen Themen an, jedoch sind diese Ziele, wenn ich  sie genauer betrachte sehr kompromisslos und unnachgiebig.

Was ist Menschlichkeit? Was ist der Mensch?

Die (auch philosophische) Auseinandersetzung ist so immens wichtig, weil das Wesentliche des Menschseins uns nicht direkt vor Augen liegt. Der Mensch ist ein Geheimnis (nicht nur für andere, auch für sich selbst) und all das Bewertbare, Zählbare, Sichtbare an der Oberfläche ist nicht der Mensch selbst.

Die Oberfläche der Bewertungen und Urteile führt zu Spaltung und Gruppen. Diese zersplittern gerade die Menschheit. Auf Arbeitsplätzen, in Familien, unter Freunden.
Gerade in der aktuellen Situation wird fast gnadenlos die Frage gestellt:
Zu welchem Lager gehöre ich? Gehöre ich zu den „Richtigen“?
Hast Du Dich auch genug distanziert von den anderen?

(Nur in einem Lager gibt es keine Distanzierung und Denunzierung: Im Lager der Hundeliebhaber. 🙂 )

Gibt es Menschlichkeit ohne Würde?

Dem Begriff der Menschenwürde liegt die Idee zugrunde, dass jeder Mensch allein schon durch seine Existenz wertvoll ist. Das Wesen und das Sein bestimmen die Menschlichkeit, jenseits aller Werte und Eigenschaften. Einen Menschen bewerten, heißt, seine Würde ignorieren. Selbst positive Bewertung ist letztlich subjektiv und erkennt nicht das Mensch-SEIN als solches an.

Verletzung und Verlust von Würde ist schlimmer als Verlust von Arbeitsplatz, Rente oder Hobbies.

Und dies geschieht nicht erst jetzt in der Krise, sondern schleichend schon über viele Jahrzehnte. Ich würde es sogar durchaus als „menschlich“ bezeichnen, dass das Wesen des Mensch-Seins nicht vollständig erfasst und erkannt wird. Jedoch kann ich mich bemühen, es zum Ziel nehmen und lernen.

Menschlichkeit wird auch sichtbar, in dem, wie eine Gesellschaft mit ihren Schwächsten umgeht. Die Leistungsgesellschaft, die ökonomische und materielle Ungleichheit, das ständige Streben nach Wachstum verhindert und vermeidet die Anerkennung und Aufmerksamkeit für Lebensgeschichten, die nicht so erfolgreich sind. Der Marktwirtschaft ist es gleichgültig, dass viele Menschen chancenlos und enttäuscht zurückgeblieben sind. Sie passen einfach nicht in das Bild von „Höher, schneller, weiter“ und werden unsichtbar. HARZT IV sind „Almosen“, um sie ruhig zu stellen. Wer Menschen nur funktional, in seinen Tätigkeiten betrachtet und an seinen Ergebnissen misst, beraubt ihnen ihrer Würde.

Marktwirtschaft interessiert sich nicht wirklich für den Menschen, mit seinen Hoffnungen, Bedürfnissen, Wünschen, Beziehungen und Erwartungen. Ganz im Gegenteil: Sie nutzt die Wünsche und Bedürfnisse der Menschen aus, um zu manipulieren.

Eine Gesellschaft, die entweder gierig oder angstvoll (beide Motivationen hängen eng miteinander zusammen) nur an ihre Sicherheit (und Wachstum) denkt, läuft Gefahr, unmenschlich zu werden. Das findet zurzeit leider auch seinen Ausdruck, den älteren Menschen ein würdevolles (und selbstbestimmtes) Leben und Sterben zu verwehren. Ich selbst kenne mehr von diesen Beispielen aus meinem Umfeld, als Corona-Fälle.

Was ist Würde?

Grundgesetz Art 1. (1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Die Antwort auf Würde ist Achtung. Würde kann dem Menschen nie wirklich genommen, jedoch verletzt werden. Achtung kann jedoch weder eingefordert noch erzwungen werden.
Wenn eine Gesellschaft daran scheitert, die Würde von Menschen zu achten, dann verfehlt sie die Menschlichkeit. Wenn sie Menschen wie Gegenstände, Objekte oder Instrumente der Wünsche und Absichten behandelt, geht sie an ihrer Menschlichkeit vorbei.

Würde muss nicht verdient werden, Würde ist immer DA, wenn ich die Augen dafür öffne, in mir selbst und im anderen. Ich selbst entscheide, ob ich die Würde, das SEIN im Menschen wahrnehmen möchte oder seine Oberfläche, gegründet auf Herkunft, Geschlecht, Alter oder anderen Merkmalen. Erkenne ich die Würde in mir selbst, würdige ich auch meine Mitmenschen und das Leben.

Würde gibt mir meinen Selbstwert und meine Selbstwirksamkeit zurück, befreit mich selbst aus der (manchmal bequemen) Opferrolle.

Was ist Frieden?

Frieden ist ein innerer Zustand ohne Urteil und Bewertung. Die meisten Kriege finden in den Köpfen statt. Meinungen, Statements, Interpretationen und Erwartungen prallen aufeinander und treten über die verbale Ebene den Weg nach außen an. Dort ist der Ursprung von Krieg.

Sowohl Frieden, als auch Würde und Menschlichkeit können nicht „gemacht“ werden. Sie liegen im Menschen selbst und ich habe immer die Möglichkeit, mich selbst dafür zu entscheiden.
Frieden, Würde und Menschlichkeit sind aus diesem Grund kein Ziel, sondern der Weg.