19. Juli 2020

Offener Brief an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig

Von Susanne

PERSÖNLICH
Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern
-Staatskanzlei –
z.Hd. Frau Manuela Schwesig
Schloßstraße 2-4
19053 Schwerin

                                                                                 Kloster / Hiddensee, 17.07.2020

Liebe Frau Schwesig,

ich schreibe Ihnen heute von Frau zu Frau, von Mutter zu Mutter, von (ehemaliger) Krebspatientin zu (ehemaliger) Krebspatientin, von Hiddensee-Liebhaberin zu Hiddensee-Liebhaberin, von Mensch zu Mensch. Auch um Ihnen die Möglichkeit als Mensch zu geben, zu verstehen, wie es vielen anderen Menschen gerade geht.
Ich frage mich sehr oft, wie es Ihnen wohl in dieser Zeit geht, in der Sie viel Wichtiges auch außerhalb von Corona umzusetzen haben.

HiddenseeVielleicht sind Sie gerade noch mit Ihrer Familie auf Hiddensee. Wir haben uns dort kurz gesehen.
Ich liege jedenfalls mit dem Boot im Hafen von Kloster und habe ebenfalls Urlaub. Jedoch ist es in diesem besonderen Jahr nur ein eingeschränkter Urlaub, weil ich auch in dieser Zeit nicht von der momentanen Situation der Menschen loslassen möchte, täglich viele Informationen und Aktionen überdenke, begleite und planen muss. Zu viel steht für die Bevölkerung und unsere Nachkommen auf dem Spiel.

Ich schreibe Ihnen diesen zweiten Brief persönlich und als Mensch, aber auch in meiner Berufung als erfahrene Ärztin. Ich werde ihn als offenen Brief schreiben, weil ich so hoffe, dass Sie ihn so über kurz oder lang von irgendwoher auch zu lesen bekommen. Vieles darin hätten auch unzählige andere Menschen, deren Schicksal auch in Ihren Händen liegt, ebenfalls an Sie schreiben können. Eine Antwort auf meine Gedanken wäre schön, aber es würde mir auch reichen, wenn ich wüsste, dass diese Sie in Ihrem Leben erreichen.

Infektionszahlen

Die Situation brauche ich Ihnen nicht zu beschreiben. Sie kennen natürlich die tagesaktuellen Zahlen, die jedoch medizinisch und epidemiologisch für die politischen Handlungen schon lange keine Rolle mehr spielen.
Wir haben zurzeit glücklicherweise Null positiv getestete Personen in MV
(Stand 15.7.2020).
Seit 11 Tagen gibt es keine Neuinfektion – auch nicht nach großen Demonstrationen, Urlauberströmen und vollen Hotels.  Lediglich zwei Gäste aus anderen Bundesländern wurden nach meinen Informationen positiv getestet. Und es bedeutet nicht, dass diese krank sind und aus rein medizinischer und statistischer Sicht ist die Chance groß, dass diese Testergebnisse „falsch positiv“ sind.

Mund-Nasen-Bedeckung

Viele Millionen Menschen tragen trotzdem im Sommer ihre Masken weiter, sogar an der frischen (Ostsee)-Luft, was keinerlei Sinn macht und diese Menschen in Gefahr für ihre körperliche und emotionale Gesundheit bringt. Auch im Hygieneplan Corona der Regierung MV steht geschrieben:

„Allerdings können sich Träger von Mund-Nasen-Bedeckungen nicht darauf verlassen, dass diese sie oder andere vor einer Übertragung von SARS-CoV-2 schützen, da für die MNB keine entsprechende Schutzwirkung nachgewiesen wurde.“

https://www.regierung-mv.de/Landesregierung/bm/Blickpunkte/Coronavirus/Coronavirus-%E2%80%93-Informationen-f%C3%BCr-schule/Hygieneplan/

Ich frage ganz bewusst nicht danach, ob Sie mir diesen wissenschaftlich nicht tragbaren und widersprüchlichen Sachverhalt erklären wollen. Denn mir und vermutlich auch Ihnen ist bewusst, dass es hier nicht um Medizin oder das Wohl der Menschen in der Bevölkerung geht.
Ich frage mich allerdings, wie es Ihnen dabei wohl geht?

Ich bin mit Leib und Seele Ärztin. Aber auch als ehemalige Krebspatientin kann ich den Menschen mit der heutigen Datenlage nur anraten, den wertvollen und notwendigen Sauerstoff, den all unsere Zellen – und auch die Ihren – dringend für Heilung und Genesung brauchen, nicht vorzuenthalten und mit der Maske keine die Gesundheit unnötig belastenden hohen Risiken damit einzugehen.

Hygienisch ist die Maske natürlich eine Katastrophe. Auch dies wird Ihnen neben den politischen Strategien und Wegen, die Sie mit Ihrem Team gehen, bekannt sein. Sie werden wie ich selbst auch beobachten, wie die Menschen aller sozialen Schichten damit umgehen: Die Einmal-Masken werden mehrfach genutzt, Masken werden überall angefasst, abgelegen, feucht in die Hosentasche gesteckt, unter das Kinn gezogen, usw.
Ich frage mich jeden Tag, wie es Ihnen wohl selbst geht: Wenn Sie den Ihnen sicherlich vorgeschlagenen „Hygieneplan“ auf die Bevölkerung – auf Kinder, Alte, Schwache und viele auch körperlich hart arbeitende Menschen- für unnötige Zeit freigeben, die wir brauchen um gesund über den Winter zu kommen.

Atmung

bedeutet auch „altes Loslassen“. Das Ausatmen ist ein über viele Millionen Jahre gewachsener und wichtiger Reinigungsprozess für jedes Lebewesen. Niemand würde die alte verbrauchte Luft freiwillig wieder einatmen und ich hoffe, dass auch Sie es nicht tun. Bei den jetzigen Infektionszahlen kann ich Ihnen als Ärztin mit ganzem Herzen und reinen Gewissen sagen, dass im Moment das Risiko durch die Maske gesundheitliche Schädigungen davonzutragen sehr viel größer als die Gefahr eine Infektion durch SARS-CoV-2. Die allermeisten Menschen durchleben diese ohne Symptome.

Ich nehme an, im politischen Gefecht sehen Sie diesen Aspekt der Verhältnismäßigkeit oft nicht mehr. Oder Sie waren darauf angewiesen Beratern und Beraterinnen zu vertrauen, deren erstes Anliegen nicht die Gesundheit ist.  

Ich kann Sie jedoch verstehen, wenn ich an die Situation von März zurückdenke. Niemand wusste zu dem Zeitpunkt genau, wohin sich das alles entwickeln würde. Auch Politiker/innen sind nur Menschen und stehen sicher unter extrem hohen Druck, keine großen Fehler für so viele Menschen zu machen. Das ist verständlich und es gibt sicher immer wieder Entscheidungen zu treffen, die unpopulär sind und der Bevölkerung richtig kommuniziert werden müssen, damit diese sie auch mitträgt.
Jedoch spätestens Ostern (Anfang April) wären ja medizinisch ein Umdenken und neue politische Entscheidungen dringend nötig gewesen. Ich möchte auf keinen Fall in Ihrer Haut stecken, wo nun so viele politische Entscheidungen gegen so viele Menschen getroffen werden und kann nur erahnen, wie sich das als tägliches Bauchgefühl äußert.

Immunsystem

Wenn Sie JETZT im Sommer, Null Positive, an Masken und Abstand festhalten, was wollen dann  Ihre Berater und politischen Begleiter/innen dann erst mit Ihrer Hilfe verordnen, wenn wir im Herbst wirklich wieder mehr Atemwegs-Infekte bekommen?
Es ist zu erwarten, dass wir vermehrt Infekte bekommen, weil all die Maßnahmen und deren Folgen eher immunschwächend wirken. Auch unser Immunsystem braucht ein tägliches „Training“. Abstand, soziale Isolation und Angst haben unmittelbar schädigenden Einfluss auf das Immunsystem!

Zu viele fachliche Fragen im Zusammenhang mit SARS-CoV-2 sind offen. Wie gehen Sie selbst damit um? Werden Sie selbst einseitig manipuliert oder unter Druck gesetzt? Bitte achten Sie auf sich, denn auch das lange Ignorieren des eigenen Gerechtigkeitsgefühls ist im hohen Maße gesundheitsschädlich.  

Ich ziehe in Betracht, dass Sie den Brief mit den fachlichen Fragen nicht erhalten haben, den ich Ihnen im Juni diesen Jahres in Zusammenarbeit mit ärztlichen Kollegen aus Rostock geschrieben habe. Blocken dies Ihre Mitarbeiter/innen ab? Wir ärztlichen Kollegen sind jedoch verpflichtet, diesen offenen Fragen zum Wohl unserer Patienten nachzugehen. Dies gebieten die Berufsordnung und das Gelöbnis aller Ärzte. Wir brauchen dringend Antworten auf diese Fragen und wieder den gewohnten interdisziplinären Austausch, der auch in der Ärzteschaft MV nicht mehr stattfindet.

Bitte nehmen Sie es nicht persönlich, wenn wir die Fragen nun juristisch und mit der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu beantworten suchen. Zu Ihrer Information wurde der Fragenkatalog auch an das Robert-Koch-Institut gesendet, an unsere Ärztekammer und das Lagus. Von allen erhielten wir außer ängstlichen Ausflüchten keine Antwort. Auch hier scheint es eine Angst zu geben und ich frage mich mit vielen Menschen wovor? Vor anderen Meinungen? Das halte ich für ausgeschlossen, denn wir sind in der Wissenschaft täglich Auseinandersetzungen gewohnt und profitieren davon.

Pandemie?

Wie geht es Ihnen, wenn auch in Ihrem Namen die grundsätzlich falsche Aussage gemacht wird:
„Wir sind immer noch inmitten einer Pandemie?“ Verfolgen Sie wirklich die gleiche Strategie wie die Menschen, die unwissenschaftlich behaupten: Die Pandemie sei erst zu Ende, wenn wir einen Impfstoff haben.
Bedeutet das: Man weiß, wie eine Pandemie sich entwickelt? Ein Impfstoff wird zum Symbol des Endes? Oder müssen erst bestimmte Personen testweise geimpft werden und dann hebt man Maßnahmen gegen eine Pandemie, die es dann schon lange nicht mehr gibt, auf? Wir sind viele studierte und fachlich gut ausgebildete Menschen, aber wir fragen uns, was das konkret bedeuten soll. Wie soll es dann Nicht-Medizinern gehen? Wann ist die Pandemie zu Ende, falls es in der Forschung zu keinem wirklich wirksamen und nebenwirkungsfreien Impfstoff kommt?

Impfstoff

Ich frage mich: Haben Sie selbst ein gutes Gefühl zu einem Impfstoff für sich und Ihre Kinder, der viele Entwicklungs- und Prüfungsstufen einfach überspringt? Möchten Sie sich impfen lassen nach einem völlig neuen (gentechnischen) Verfahren, über das überhaupt keine Erfahrungen vorliegen? Würden Sie wirklich Ihre Kinder und Verwandten damit impfen lassen? Wie ist das bei Ihren politischen Kollegen und Freunden?

Wir kennen uns nicht, aber ich kann Sie als Frau, Mutter und Mensch mit einer ähnlichen Erkrankung im Hintergrund vermutlich ein wenig verstehen. Tagtäglich hatte /habe ich wieder Patienten in meiner Praxis mit Krebserkrankungen sowie vielen anderen chronischen Erkrankungen.
Ein wichtiger, wenn nicht der wichtigste, Einflussfaktor ist oft die Angst.

Angst


Entscheidungen, die aus der Angst heraus getroffen werden (egal ob in der Therapie oder in der Politik) sind nicht unbedingt die besten und sicherlich nicht die nachhaltigsten. Und irgendwo in der Presse habe ich es ja im Zusammenhang mit Ihrer Brustkrebserkrankung gelesen:

Sie hatten eine Riesen-Angst! Da sind Sie nicht alleine und wissen auch, wie sich viele Menschen gerade fühlen und was sie durchmachen.

Dass Sie weiter den Posten der Ministerpräsidentin bekleidet haben, verlangt mir einerseits  Hochachtung ab, aber noch mehr stelle ich mir die Frage, ob Sie damit ganz sicher sind, ob Sie sich und Ihrer Familie damit wirklich gut tun?
Ich habe mit dem Wissen um meine Diagnose sofort, auf den Tag, alle Ämter und Tätigkeiten eingestellt, zwei Jahre lang und freue mich über diese wichtigen Schritte für mein Leben und meine Gesundheit zum Wohl aller.

Meine Patienten (egal welche Krankheit) bekommen nun noch mehr als vorher in der ersten Konsultation die folgende Frage gestellt:  Wollen Sie leben oder funktionieren?
(Die Hälfte der Menschen bricht dann erst mal in Tränen aus, weil sie manches Mal „vergessen“ haben, was LEBEN ist…)

Ich möchte Ihnen, wie vielen anderen meinen Patienten meinen Blog im Internet ans Herz legen:
https://www.krebs-mandala.blog/

Hier gibt es unter anderem auch mehrere Beiträge zum Thema Angst.
https://www.krebs-mandala.blog/tag/angst/

Da Sie wenig Zeit für sich haben, wäre vielleicht der wichtigste Beitrag:
Es gibt keinen Grund für Angst!
https://www.krebs-mandala.blog/es-gibt-keinen-grund-fuer-angst/

Ich stehe Ihnen (und das ist wirklich so gemeint) jederzeit ärztlich und als Mensch für alle Fragen zur Gesundheit zur Verfügung.
Zu keinem Zeitpunkt meiner Erkrankung hat mich die Angst Entscheidungen treffen lassen, sondern immer nur der Wille zu einem freudvollen Leben.


Mit freundlichem Gruß
Dr. med. Susanne Kreft

Hier kann man den Brief als PDF downloaden.


Kontakt als Ärztin: www.susannekreft.de
Kontakt als Mensch: www.krebs-mandala.blog